Den Himalaya im Blickfeld

 
Im Oktober und Anfang November 2004 wollten wir „Höhenluft“ schnuppern und reisten durch Nepal. Hier folgt unser Reisebericht.

Samstag, 23. Oktober 2004

Wir landen um 5.24 Uhr Ortszeit in Doha. Durch die Gepäckkontrolle kommen wir komplikationslos und sitzen dann im „coffee beanery“, trinken ein alkoholfreies Bier und warten.

Um 8.00 Uhr sollen wir einchecken, um 8.25 Uhr soll die Maschine nach Kathmandu starten. Bereits 7.30 Uhr beginnt das Check-In und nun sitzen wir bloß an einer anderen Stelle rum. Dann geht es endlich ins Flugzeug und pünktlich 8.25 Uhr hebt es ab. Es gibt noch eine reichliche Mahlzeit. Werner isst Omelett und ich esse Kisch, irgendein Auflauf, schmeckt aber, dann Saft, Brötchen, Crousons, Marmelade, Butter – viel zu viel. Wir schlafen viel und sehen bruchstückhaft den laufenden Film „Notebook“, eine Liebesgeschichte. Pünktlich landen wir 15.35 Uhr Ortszeit in Kathmandu.

Jetzt beginnt das Chaos und das Schwitzen. Wir müssen uns Formulare zum Visaantrag suchen und ausfüllen und noch einen kleinen Zettel, in dem Angaben über eingeführte Devisen gefragt sind, alles auf Englisch. Das macht Spaß. Nun heißt es anstehen und 30 Dollar und ein Passbild für das Visum bereit halten und bangen, dass alles richtig ausgefüllt ist. Es geht alles problemloser als gedacht und wir passieren die nächsten Kontrollen.

Wir holen die Koffer und suchen Rotel. Unseren Reiseleiter finden wir gleich und der schickt uns zum Bus. Dort warten wir auf den Rest der Gruppe. Bevor der Bus abfährt, bekommt jeder von uns einen Willkommensblumenkranz aus schönen orangegelben Studentenblumen umgehängt.

Auf der Fahrt zum Hotel beruhigt uns unser Reiseleiter. Einige Mitreisende hatten in der Presse von Aufständen und militärischen Operationen der Maoisten gelesen. Im nebenstehenden Video gibt es die Erklärung.i

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17.30 Uhr kommen wir im Hotel „Shanker“ an.

Das Hotel liegt direkt hinter dem neuen Königspalast.

Die Sonne geht langsam unter. Wir bekommen die Schlüssel für unser Zimmer. Es ist recht groß und sehr freundlich, zwei Betten, eine kleine Sitzecke, ein großer Schrank und ein Wandtisch mit Fernseher. Neben den Betten jeweils ein Nachtschrank mit Tischlampe. Die Fenster haben Gaze und die Mauern sind riesig dick.

18.15 Uhr treffen wir uns zu einer kurzen Besprechung. Unser Reiseleiter Vijay begrüßt uns noch mal und erläutert ein bisschen den Ablauf. Er macht uns den Vorschlag, für Eintritte und Trinkgelder eine Summe, die er uns aufschlüsselt, einzusammeln und dann die Trinkgelder zentral auszuhändigen. Er gibt uns noch Tipps über die Höhe des umzutauschenden Geldes.

Kurz nach 19.00 Uhr gehen wir Abendbrotessen. Es gibt eine Vorsuppe, warmes Buffet, Nachtisch mit Kaffee. Wir trinken jeder ein Bier, 500 Rupien. Nun sind wir im Bett. Werner schläft bereits und ich werde 21.15 Uhr das Licht löschen und sehen, wie es sich nach so durchwachter Nacht schläft.

Sonntag, 24.Oktober 2004

6.15 Uhr klingelt der Wecker (Telefon), fünf Minuten früher als erhofft. Noch ganz schön müde stehen wir auf, duschen uns und gehen frühstücken. Es gibt ein Buffet, sogar ein Omelett, auf Wunsch mit den unterschiedlichsten Zutaten, kann man sich machen lassen. Wir schauen uns das Hotel noch ein bisschen von innen und außen an und pünktlich 8.00 Uhr starten wir unsere Besichtigung von Kathmandu.

Kathmandu, früher Kantipur genannt, ist die Hauptstadt Nepals, die Stadt mit den goldenen Dächern, die Stadt der Tempel und Götter. Kathmandu ist um 1000 Jahre alt, es leben über 400.000 Menschen hier. Die Urbevölkerung, die Newar, stellen davon etwa die Hälfte. Sie sind teils Hindus, teils Buddhisten. Die anderen kommen aus allen anderen Teilen des Landes, aus Indien und aus Tibet. Der Schmelztiegel der Nationen ist in den vergangenen Jahren so groß geworden, dass er von seiner Schwesterstadt Patan nur noch durch den heiligen Fluss Bagmati getrennt ist und an den anderen Rändern langsam mit den dort liegenden Dörfern verschmilzt.

Swayambunath

Wir beginnen unsere Besichtigung. Der Bus bringt uns in die Nähe des Swayambunath. Die auf einem 1.400 m hohen Berg liegende buddhistische Anlage ist eine der bedeutendsten und sehenswertesten Kultstätten Nepals. Der Name, er bedeutet „selbstentstanden“, beruht auf dem Glauben, der Stupa sei als Manifestation des Absoluten aus dem juwelengekrönten, vom Vorzeitbuddha Vipasyin geschaffenen Lotos erwachsen, der im heiligen See Nag Hrad schwamm, dem Paradies des „reinen Landes“, das mit der „Erlöstheit“ gleichzusetzen ist. Eine andere Überlieferung schreibt die Errichtung des Stupa einem zugereisten bengalischen König namens Shantashri zu, der dem geheiligten Lotos Schutz und Heimstatt bieten wollte.

Bereits vor dem Aufgang zum Tempel sehen wir ein reges Treiben. Es ist ein geschäftiges hin und her. Schon hier am Fuße des Heiligtums beten viele Menschen. Man kann Kerzen spenden. Da würde es fast schon reichen, sich in eine stille Ecke zu stellen und das alles zu beobachten. Aber wir wollen ja zum Tempel. Wir sehen uns einer steilen Treppe gegenüber.

Nach 365 Stufen haben wir das Heiligtum erreicht. Am Beginn der Treppenanlage bewundern wir ein bunt bemaltes Tor, rechts davon eine mannshohe, in eine Nische eingelassene Gebetsmühle. Buddhafiguren stehen gleich hinter dem Tor. Wir sehen drei steinerne Buddhas und Tierskulpturen (Elefant, Löwe, Garadu, Pfau), die beide Seiten der Treppe flankieren. Die Tiere sind die Reittiere für 5 Buddhas, auf die sich die Verehrung in Swayambunath konzentriert.

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In die Wände des Stupa eingelassen finden sich an den Kardinalpunkten die Schreine der fünf transzendenten Buddhas, die als Herren der Himmelsrichtungen gelten.

Direkt hinter dem Donnerkeil, dem Turm neben der Stupa, ist der Schrein für den Buddha Akshobhya (Osten). Im Uhrzeigersinn folgen die Schreine von Vairocana (Zentrum), Ratnasambhava (Süden), Amitabha (Westen) und Amoghasiddhi (Norden).

Beachtung verdienen die unter den Schreinen angeordneten Nischen mit den Bronzen der den Buddhas zuzuordnenden Reittiere.

Die Flachreliefs mit Darstellungen des Rades der Lehre hinter den Figuren zählen zu den frühesten Kunstwerken Swayambunaths. Sie sind Teil des ursprünglichen, im 17. Jh. überbauten Stupa und stammen aus dem 7. oder 8. Jh. .

Neueren Datums sind die Gebetsmühlen und Gebetsfahnen, die von den Tibetern erst im
20. Jahrhundert eingeführt wurden. Auf sie geht auch der 1949 errichtete Klosterkomplex neben dem Stupa zurück.

Besonderes Merkmal des Swayambunath-Stupa ist sein überdimensionierter, vergoldeter quadratischer Aufsatz mit der hoch in den Himmel ragenden Turmspitze. In die vier Himmelsrichtungen blicken die alles sehenden Augen Buddhas. Zwischen ihnen das Schriftzeichen für die Eins (Ohm) als Symbol für den einen, wahren Weg zur Erlösung.

Die 13 sich verjüngenden Ringe der Spitze repräsentieren die 13 Himmel des buddhistischen Weltbildes, aber auch die 13 Methoden der Verbreitung der Lehre oder die 13 Stufen der Vollendung. Den Abschluss bildet ein Schirm als Zeichen der universellen Regentschaft des Buddha.

Der kleine frei stehende zweigeschossige Tempel im Westen hinter dem Stupa ist eines der bevorzugten Ziele für Buddhisten und Hindus. Während die Buddhisten im Kultbild des Schreins die populäre Hariti verehren, die Schutzgöttin der Kinder, verkörpert es für die Hindus die Pockengöttin Sitala Devi. Hier erflehen die Menschen Schutz vor Krankheiten. Zu Zeiten der Pest wurden die Kleinkinder extra hierher gebracht, um Gesundheit für sie zu erbitten.

An den Tempel grenzt ein Hof mit zahlreichen Votivstupas, die in eigenartigem Kontrast zu den Souvenirläden ringsum stehen. Es gibt noch weitere Buddhafiguren und kleine Stupas.

Die Souvenirläden buhlen um unsere Gunst. Wir kaufen drei Kalender und Ansichtskarten. Ganz auf Entspannung ist die Musik, die überall erklingt gezielt. Es sind die typisch tibetischen Klänge, von denen wir uns auch eine CD mit nehmen.

Von hier oben hat man einen schönen Blick auf Kathmandu. Leider ist es etwas diesig und der Horizont sehr verschwommen. Kathmandu hat eine ungeahnte Ausdehnung.

Schlangenbeschwörer

Wir gehen eine andere Treppe bergab. Auf dem Parkplatz unterhalb des Tempels steht unser Bus, der uns zum Durbar Square (Palastplatz) bringt.

Wir laufen ein Stück durch die Straßen Kathmandus. Hier begegnen wir Schlangenbeschwörern. Sie lassen ihre Kobras zur Flötenmusik tanzen und sammeln dann ihren Lohn ein.

Je näher wir uns dem Palastbezirk kommen, um so kleiner und bunter werden die nun schon als Gassen zu bezeichnenden Straßen. Es ist sehr interessant in den Straßen oder besser Gassen, durch die wir gehen. Kleine Geschäfte mit unterschiedlich­sten Artikeln befinden sich dicht an dicht, meist nur 3 x 2 m groß, aber voller Waren. Und ständig hupt ein Auto oder Motorrad, weil es auch durch die enge Gasse will, wo mal gerade Platz für ein Auto ist. Aber alles ordnet sich ohne Aufregung und Ärger, da hier die Gelassenheit die Menschen und alles drum herum bestimmt.

Palastbezirk

Vijay besorgt uns die Eintrittskarten zum Palastbezirk, und dann beginnt das Abenteuer.

Der ehemalige Palastbezirk der Malla-Herrscher ist nach wie vor der eigentliche Mittelpunkt der Metropole Kathmandu. Hier gruppieren sich Palastgebäude und Tempel in enger Verflechtung. Der Palast von Kathmandu diente bis ins 20. Jahrhundert hinein als Wohnsitz des Königs und hat dadurch zahlreiche Veränderungen erfahren. Am deutlichsten ist die Anfügung neoklassischer Flügel, die den englisch beeinflussten Geschmack des Herrscherhauses gegen Ende des 19. Jh. widerspiegeln.

 

Hanuman-Dhoka

Das Herzstück bildet der aus zahlreichen Höfen (chowk), Gebäuden und Tempeln bestehende alte Palast Hanuman Dhoka, von dem allerdings nur ein kleiner Teil für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Seinen Namen verdankt dieser Palast dem Hanuman-Dhoka-Portal durch das der Besucher heute noch die Anlage betritt. Das reich geschmückte Tor aus dem Jahr 1810 ist nach der links vom Eingang auf einem Pfeiler stehenden Figur des Affengottes Hanuman benannt. Als Schutzgottheit der Mallas sollte Hanuman die bösen Geister vom Herrscherhaus fernhalten.

Flankiert wird das goldbeschlagene Tor von zwei Löwen, auf dem rechten reitet Gott Shiva, auf dem linken seine Shakti Parvati. In der kleinen Galerie über dem Türsturz nimmt Gott Krishna in seiner universellen Manifestation Vishavarupa den zentralen Platz ein. Ihm zu Füßen Arjuna, einer der fünf Pandava- Prinzen, der den Gott gebeten hatte, sich in seiner Allgestaltigkeit zu zeigen. Der linke Teil der Nische zeigt Krishna mit seinen Gemahlinnen Rukmini und Satya Bhama, die wiederum als Inkarnation von Lakshmi und Sri, den Gattinnen Vishnus, zu sehen sind. In der rechten Nische hat der auf einer Flöte spielende König Pratapa Malla zusammen mit der Königin seinen Platz.

In dem Hanuman-Dhoka-Palast finden heute noch alle wichtigen Feste, die die Königsfamilie veranstaltet, statt.

Kumari Chowk

Wir besuchen den dreistöckigen Kumari Chowk. Hier wohnt die lebende Göttin Kumari, eine Personifizierung der Staatsgottheit Taleju. Es ist ein kleines Mädchen, das mit ca. 6 Jahren zur Kumari gewählt wird und diese Stellung bis zum Eintritt der Pubertät inne hat. Zum Indra-Yatra-Fest darf die jungfräuliche „Göttin“ ihren bescheidenen Palast verlassen und wird dann auf einem Prozessionswagen durch die Stadt gefahren. Ansonsten hält sie sich in ihrem Haus auf. Dieses Haus ist mit sehr schönen Schnitzereien verziert, vor allem die Fenster und Türen .

Wir warten im Hof, dass sich die Kumari an einem Fenster zeigt, aber sie kann sich wegen ritueller Handlungen nicht zeigen. Ansonsten zeigt sie sich verhüllt und das Fotografieren ist strengstens verboten. Das Mädchen darf in ihrem Göttinnendasein nichts machen. Sie lernt in dieser Zeit auch nichts außer ihren religiösen Verpflichtungen. Wenn sie dann wieder in ihr altes Leben zurück muss, steht sie dieser Situation meist sehr hilflos gegenüber und es ist für sie sehr schwierig, da wieder Fuß zu fassen.